Kubaner Elián Gonzalez: “Ich habe nicht gewusst, was los war”

File photo of an armed U.S. federal agent seizing Cuban shipwreck survivor Elian Gonzalez from the home of his Miami relatives

14 Kubaner brachen im Winter 1999 Richtung Amerika auf, sie wollten in einem Schiff von der kommunistischen Insel nach Florida fliehen. Das Boot kenterte, nur drei Menschen überlebten. Einer von ihnen: Elián Gonzalez, fünf Jahre alt, Fischer zogen ihn etwa fünf Kilometer vor der Küste bei Fort Lauderdale aus dem Wasser. Seine Mutter starb, sein leiblicher Vater lebte getrennt von ihr und war in Havanna geblieben.

Der Fall belastete monatelang die Beziehungen zwischen den USA und Kuba. Verwandte wollten den Jungen in Florida behalten, sein Vater wollte ihn zurückholen.

Für die Exilkubaner war Elián Gonzalez ein Opfer der Diktatur, das gerettet werden muss. Medienwirksam ließen sie ihn als glückliches Kind beim Spielen im Haus des Onkels ablichten. Für seinen Vater war es hingegen ein Fall von Entführung. Fidel Castro kündigte an, man werde “Himmel und Erde in Bewegung setzen”, um die gesamte Weltöffentlichkeit zu mobilisieren.

Die Exilkubaner bemühten die US-Gerichte, doch sogar Präsident Bill Clinton ergriff schließlich Partei für den Vater. Im April 2000 holten Polizisten den Jungen gewaltsam aus dem Haus seiner Verwandten und übergaben ihm dem Vater, der inzwischen in die USA gereist war. Bis die beiden nach Kuba zurückkehren konnten, vergingen weitere zwei Monate.

Heute, fast 15 Jahre später, scheint die Zeit der Erzfeindschaft zwischen beiden Staaten zu Ende zu sein. Kuba und die USA nähern sich in kleinen, aber stetigen Schritten einander an. Und Elián Gonzales, inzwischen 21 Jahre alt, würde die Vereinigten Staaten gerne besuchen – als Tourist. Das sagte er dem US-Sender ABC. Man wolle sich bei den Amerikanern bedanken, so Gonzalez. “Bei allen, die geholfen haben. Bei allen, die an unserer Seite waren. Wir sind sehr dankbar für alles, was sie getan haben.”

Mit der Entscheidung seiner Mutter, nach Amerika zu fliehen, sei er auch heute nicht einverstanden, erzählt Gonzalez. Aber er zeigte sich überzeugt davon, dass sie ihm auf dem Meer das Leben gerettet habe.

Mit der Waffe im Anschlag

Gonzalez äußerte sich auch zu einem Foto, das im Jahr 2000 um die Welt ging und mit einem Pulitzerpreis geehrt wurde: Elián hängt verängstigt im Arm des Fischers, der ihn aus dem Meer gerettet hatte, während ihnen gegenüber ein Bundespolizist steht, in schwerer Kampfausrüstung mit Maschinenpistole im Anschlag. Die Aufnahme entstand, als die Polizei den Jungen aus dem Haus seiner Verwandten holte. Nach dem Zugriff kam es zu Ausschreitungen in Miami.

“Ich habe nicht gewusst, was sie von mir wollten. Ich habe nicht gewusst, was los war”, erinnert sich Elián Gonzalez an die dramatischen Sekunden. Eine Mitarbeiterin des US Marshall Services trug ihn schließlich aus dem Haus. “Sie sagte mir: Wir sind Freunde deines Vaters, wir bringen dich zu deinem Vater”, so Gonzalez. Am Ende habe er sich sehr erleichtert gefühlt.

Seine Rückkehr nach Kuba war ein immenser Erfolg für Castro. In den folgenden Jahren wurde es zwar ruhiger um den Jungen, dessen Schicksal die Weltöffentlichkeit bewegt hatte. Aber zuletzt tauchte er immer mal wieder bei offiziellen Anlässen auf und musste als Vorzeige-Kubaner herhalten. 2008 trat er der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei Kubas bei und schwor den Castro-Brüdern ewige Treue, wie die Parteizeitung “Granma” berichtete. Das zehnjährige Jubiläum seiner Heimkehr wurde 2010 mit einer großen Zeremonie gefeiert.

Laut ABC studiert Gonzalez heute Ingenieurswissenschaft und ist verlobt.

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