Wer sich zweimal bitten lässt, hat schon verloren

Kerstin Günther3500 Monteure – und der Chef ist eine Chefin. Kerstin Günther war die Managerin, die sich das 2004 als erste Frau bei der Deutschen Telekom traute. Heute ist sie Technik-Leiterin und erzählt, wie ihr Aufstieg gelang.

Top-Managerinnen und ihre Erfolgsgeschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach – und erzählen, worauf es ankommt. Heute: Kerstin Günther, als Leiterin Technik bei der Telekom zuständig für Europa. Sie berichtet an eine Frau – Telekom-Vorstand Claudia Nemat.

“Ich mag keine Klischees. Frauen sind so und Männer so, diese Muster werden beim Thema Karriere von Frauen gern bedient. Worum es dabei aber sowohl für Männer als auch für Frauen geht, ist das, was Ex-IBM-Manager Gunter Dueck einmal als ‘professionelle Intelligenz’ beschrieben hat. Wer Karriere machen will, muss gut sein, muss sich aber auch vermarkten und positionieren können. Das wird zunehmend wichtiger für beide Geschlechter.

Was ich in der Zwischenzeit gelernt habe: Erfolg ist keine objektive Kategorie. Erfolg, besonders in Unternehmen, unterliegt der Wahrnehmung. Das Ergebnis muss von anderen gesehen und als solches wahrgenommen werden. Erst dann ist es relevant für die eigene Kariere. Erfolge zu kommunizieren und auch Anerkennung einzufordern ist wichtig. Daran scheitern Männer genauso wie Frauen.

Ich habe schon sehr früh in meinem Leben gelernt, dass man auch fordern muss. Nach meiner Anstellung als Consultant bei der Detecon, der Inhouse-Beratung der Deutschen Telekom, sollte ich mich nach dem Studium erst einmal ‘einarbeiten’. Ich fand das damals nicht sehr ausfüllend und habe deshalb meinen Chef gefragt, ob ich nicht ein eigenes Projekt übernehmen könnte.

Zeit für die nötige Netzwerkpflege

So bekam ich mein erstes eigenes Teilprojekt. Ich habe beim Angebot der Deutschen Bundespost für eine Mobilfunklizenz in der Ukraine den Technikbereich verantwortet. Nach der Arbeit an zwei weiteren Angeboten bekam ich eines Tages einen Anruf, ob ich die Leitung des Gesamtprojektes für den Kauf der ungarischen Telekom übernehmen möchte. Ich fragte, ob ich meinen Lebenslauf schicken solle. Die Antwort war nein, ich sei genügend bekannt, und man traue mir das auch ohne Interview zu. So landete ich für die nächsten zehn Jahre in Ungarn.

Ohne Netzwerk geht es nicht. Wobei es wirklich um Netzwerk geht, nicht um Seilschaft. Manager wählen oft die Personen aus, die sie kennen oder die von Vertrauten empfohlen wurden. Man muss also bekannt sein und dafür sein Netzwerk pflegen. So werden aus Gelegenheiten Karriereschritte.

Netzwerke zu pflegen kostet Zeit, und hier haben Frauen oft den Nachteil, dass sie eigentlich immer zwischen Familie und Beruf wählen müssen. Aber Netzwerke entstehen nicht nur nachts an der Bar oder beim Wochenend-Trip. Netzwerke sind Geben und Nehmen.

Am Ende habe ich meinen jetzigen Job zum großen Teil meinem Netzwerk zu verdanken. Jemand, dem ich vorher mal geholfen habe, hat mich meiner jetzigen Chefin Claudia Nemat empfohlen; sie ist Vorstand Europa und Technik bei der Deutschen Telekom. Netzwerke vital zu halten, ist genauso wichtig wie Ergebnisse zu erzielen. Oft muss ich mich selbst daran erinnern.

Man muss sich auch trauen

Ein weiterer Baustein für eine Karriere ist Mut. Jede neue Aufgabe bedeutet auch, dass da größere Schuhe stehen. Da muss man sich auch trauen. Als ich 2004 wieder in Deutschland war, bekam ich die Chance, mit 37 Jahren als jüngste und auch als erste Frau Leiterin für eine Technikniederlassung zu werden: Chefin von 3500 Monteuren. Das waren große Schuhe.

Dabei zahlten sich meine Erfahrungen aus, die ich vor allem in Ungarn gesammelt hatte. Dort hatte ich gelernt, Teams zu bilden und schwierige Situationen zu meistern. Du kannst das im Kleinen, mach es im Großen – bleib dir treu, aber sei offen für neue Erfahrungen, war mein Motto. Das hat mir auch geholfen, mich mit dem damals sehr kritischen Betriebsrat offen und ehrlich auseinanderzusetzen und zuzuhören. Am Ende konnten wir eine ‘friedliche Koexistenz’ aushandeln, die ein Win-Win für beide Seiten war.

Offen für Neues sein und Gelegenheiten nutzen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht perfekt sind. Das ist sicherlich auch ein weiterer Bestandteil des Rezepts. Bevor ich die Niederlassung übernommen habe, hatte ich einen Job in Deutschland, den mir der damalige Personalvorstand angeboten hatte: Ich wollte im Unternehmen Deutsche Telekom bleiben, da ich das Unternehmen schätzen gelernt hatte.

Eine Wiedereingliederung in Deutschland war aber nicht ganz so einfach. Ich bekam das Angebot, das Projekt zur Zentralisierung der operativen Personaldienstleistungen der Telekom in Deutschland zu leiten. Als Technikerin mit Erfahrungen im Regulierungs-, Strategie- und Geschäftskundenbereich war das nichts, was mich sofort begeistert hätte. Im Nachhinein bin ich froh, diese Aufgabe übernommen zu haben. Ich habe extrem viel über Personal- und Beamtenrecht gelernt, was mir dann bei der Aufgabe als Niederlassungsleiterin und auch später sehr weitergeholfen hat.

Natürlich braucht ein erfolgreiches Berufsleben auch eine private Basis. Sowohl Frauen und Männer müssen ihre Partner einbeziehen. Ich bin sehr froh, jemanden gefunden zu haben, den man fragen kann, jemanden, mit dem man den Erfolg feiern kann, oder der einem bei Misserfolgen zur Seite steht und zuhört. Oder auch motiviert, wenn man wieder mal an sich selber zweifelt, was Frauen ja manchmal so gern tun. Eine Partnerschaft, die Erfolg und die damit verbundenen Belastungen akzeptiert und mitträgt. Jemand, der auch erfolgreich ist, und neben sich auch eine erfolgreiche Frau haben möchte und kann.”

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